Nordic Notes

Ilkka Heinonen Trio

Das Jouhikko-Revival ist in Finnland in vollem Gange! Die jungen Folkmusiker des Landes besinnen sich zunehmend auf dieses urtümliche Instrument. Eine Jouhikko ist die traditionelle finnisch-karelische Leier, die mit dem Bogen gestrichen wird. In Finnland war sie nahezu in Vergessenheit geraten, da die Kastenzither Kantele seit vielen Jahren das Nationalinstrument ist. Ilkka Heinonen gehört im Land der tausend Seen zu den Musikern, die sich erfolgreich für dieses ungewöhnliche Instrument einsetzen. Gemeinsam mit seinen beiden musikalischen Mitstreitern (Nathan Riki Thomson am Bass und Mikko Hassinen an Drums und elektronischen Gerätschaften) zeigt Ilkka Heinonen auch auf dem zweiten Album „Lohtu“ (Trost), dass Tradition, Moderne und Improvisation bestens miteinander harmonieren. Die drei Musiker haben bereits im Jahr 2012 zusammengefunden und stammen allesamt aus dem Umfeld der renommierten Sibelius-Akademie in Helsinki, wo der umtriebige Australier Nathan Riki Thomson unterrichtet. Auf „Lohtu“ ist erstmals Maija Kauhanen, eine Kommilitonin aus Studientagen an der Akademie, als Gastmusikerin mit im Boot. Heinonen hat das Album seiner verstorbenen Großmutter gewidmet.

Das Ilkka Heinonen Trio bewegt sich auch auf „Lohtu“ souverän zwischen Folk, klassischer Musik, Jazz und Weltmusik. Zu seinen musikalischen Einflüssen zählt Heinonen unter anderem den katalanischen Gamben-Virtuosen Jordi Savall.
Mit den ersten Planungen für „Lohtu“ hat Ilkka Heinonen bereits vor einigen Jahren begonnen. „Ich stürzte mich immer tiefer in die Aufführungspraxis der Alten Musik, was mich bald Tag und Nacht beschäftigte“, blickt Heinonen zurück. Die Tatsache, dass Heinonen inzwischen der Vater kleiner Kinder ist, führte dazu, dass das Zeitbudget für die Aufnahmen neuen Materials beschränkt war. Die Songs für „Lohtu“ wurden im Herbst 2019 komponiert. Der Arbeitstitel des Albums lautete „Finis Temporum“: Die Angst vor dem Klimawandel prägte die Stimmung ebenso wie der weltweite Aufstieg des Populismus. Heinonens Ziel war es, ein musikalisches Werk zu schaffen, dass die „groteske Untröstlichkeit“ unserer Zeit widerspiegelt, aber gleichzeitig auch Trost und ein wenig Hoffnung spendet.
„Lohtu“ entstand noch vor dem Ausbruch der weltweiten Coronavirus-Pandemie. „Für die aktuelle Krise hätte ich wahrscheinlich tröstlichere Musik komponiert, aber andererseits sind die größeren Bedrohungen in der Zwischenzeit keineswegs verschwunden“, berichtet der Musiker.
Das Album als Ganzes ist ursprünglich von Barockopern beeinflusst worden. Es ist in neun Teile gegliedert. Einen Prolog, sechs Kompositionen (eingerahmt von zwei Intermezzi mit tanzbareren Melodien) und einen Epilog.
„Lohtu“ startet mit „Narrien Kruunajaiseit“ (Krönung der Narren). Die Melodie wurde von Ouvertüren französischen Barockopern beeinflusst. Auf das Intro folgt ein musikalisches Thema, das mit seinen ausgeprägten Rhythmen und kunstvollen Verschnörkelungen von französischen Opern-Ouvertüren beeinflusst ist. „Für mich steht dieser Song für den unheilvollen Aufstieg des Populismus: Wie die Trompeten blasen und die Tore für einen neuen Führer geöffnet werden“, erläutert Heinonen den Hintergrund des Songs.
Dann kam eine unerwartete Todesnachricht. „Mitten in der Fertigstellung der düsteren Themen des Albums hörte ich die traurige Nachricht, dass Roxette-Sängerin Marie Fredriksson gestorben war“, blickt Heinonen zurück. Danach hörte sich der Musiker das erste Mal seit seiner Teenagerzeit durch sämtliche Roxette-Alben. „Ich war beeindruckt von Fredrikssons Stimme“, blickt er zurück. Somit ließ er sich in letzter Minute, bevor es ins Studio ging, zu einem hoffnungsvollen Song inspirieren. Sein Titel: „Marie, was sonst“, sagt Heinonen. Die zarten Vocals stammen von Maija Kauhanen.
Der Track „Tuonelan Häät“ (Hochzeit in der Unterwelt) ist der laut Heinonen der illegitime Sohn einer barocken Gigue und gemächlicher Klezmer-Sounds: Eine Verschmelzung zweier Musikkulturen, mit denen sich Heinonen schon lange beschäftigt. „Ich hatte hier ein Bild im Kopf, dass Putin und Trump auf ihrer Hochzeit tanzen und wir alle gezwungen sind, dabei zuzusehen“, sagt Heinonen zum Hintergrund.
„Vimmna“ (Raserei) ist von Vivaldi inspiriert und steht für das verzweifelte Verlangen nach Leben, dass die menschliche Spezies zwar überleben lässt, aber sich in eine zerstörerische Kraft verwandelt, wenn wir unseren Lebensstil mit aller Macht erhalten wollen.
„Tundra“ bezieht seine Inspiration sowohl vom französischen Komponisten Olivier Messiaen als auch von karelischen Klängen. „Das langsame Schmelzen der Tundra und die Verwüstungen, die dadurch verursacht werden, beschreiben die Stimmung hier recht gut“, berichtet Heinonen.
„Varjojen Trepatska“ (Trepak der Schatten) basiert auf einer traditionellen karelischen Jouhikko-Tanzmelodie und überzeugt mit seinen mitreißenden Improvisationen. „Ich wette, dass das auch den karelischen Tänzern des späten 19. Jahrhunderts gefallen hätte“, sagt Heinonen.
„Haje“ (Entropie) lebt ebenfalls von den Improvisationen der drei Musiker und bringt die gemeinsame Klangsuche der Künstler gut auf den Punkt.
„Valtius“ (Klage) ist das persönliche Lamento Heinonens. Er singt hier selbst.
„Lohtu“ bildet den Schlusspunkt. „Von Beginn des Kompositionsprozesses an sollte Lohtu eine Katharsis sein, ein Trost am Ende der bedrückenden Themen des Albums, ein Epilog zu dieser Oper, die leider sehr an unsere Zeit erinnert“, sagt Heinonen abschließend.

Discografie

  • Savu

    Savu

    Erscheinungsjahr: 2017

    Katalognummer: NN093

  • Lohtu

    Lohtu

    Erscheinungsjahr: 2021

    Katalognummer: NN149

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