Nordic Notes

Maija Kauhanen

Selbst ist die Frau! Die finnische Kantele-Virtuosin Maija Kauhanen hat ihr zweites Soloalbum „Menneet“ (die Vergangenheit) komplett in Eigenregie aufgenommen. Alle Songs hat sie selbst komponiert. Heimlicher Star des Albums ist die 23-saitige Saarijärvi-Kantele, hergestellt von Kauhanens Vater, dem Geigenbauer Kari Kauhanen. Die Musikerin spielt das „finnische Nationalinstrument“ nicht nur traditionell mit den Fingern oder einem hölzernen Plektrum, sondern auch mit Cellobogen und E-Bow. Damit eröffnet Kauhanen sich selbst und den Zuhörern ein völlig neues Klangspektrum. Neben der Saarijärvi-Kantele sind auf den Tracks drei und vier auch eine fünfsaitige Kantele und eine 39-saitige Konzertkantele zu hören.
Dem „Ein-Frau-Orchester“ Kauhanen gelingt es hier, Polyrhythmen und organische Beats scheinbar mühelos miteinander verweben. So entstehen einzigartige Klanglandschaften und fesselnde Grooves. Großen Wert legt Kauhanen auf originelle Percussion-Sounds. Sie bringt hier „allerlei Flohmarktfunde“ zum Klingen: Emaille-Töpfe und -Schüsseln, Silberteller, Muffinförmchen und verschiedene Küchenutensilien.
Kauhanens ausdrucksstarker Gesangsstil ist inspiriert von der Nachahmung von Instrumentenklängen, den ländlichen Musiktraditionen Finnlands und Kareliens und der schwedischen Kulning-Gesangstradition. Mit „Menneet“ läutet Kauhanen eine neue Entwicklung ein: Sie macht den Schritt Richtung Singer-Songwriterin. Und sie flirtet unüberhörbar mit Indie-Pop und Filmmusik.
„Menneet“ ist von Maijas Leben und den Klängen inspiriert, die sie in den vergangenen Jahren auf ihren Welttourneen als Solokünstlerin gesammelt hat. Ihre Musik erzählt Geschichten von Mut. Von wichtigen Begegnungen und vom Grenzen-Setzen. Vom Umgang mit den Dingen, die uns davon abhalten, unsere Träume zu verfolgen. Und von den Dingen, die uns Freude bereiten!
„In den vergangenen Jahren habe ich viel über persönlichen Freiraum nachgedacht: was bedeutet das? Wieviel Freiraum ist genug, wie kann man ihn finden und bewahren? Das war eine große Inspiration. Außerdem liebe ich es, zu experimentieren und mit neuen Klangwelten und Techniken zu spielen”, erzählt Kauhanen zum Hintergrund zum Album.
Anfang 2021 vermietete die Musikerin ihre Wohnung in der finnischen Hauptstadt und zog in ein Haus mit vier Mitbewohnern, die sie vorher nicht kannte. Das Haus lag an einem kleinen See, 40 Autominuten von Helsinki entfernt, am Rande des Nuuksio-Nationalparks. Ursprünglich hatte sie vor, fünf Monate dort zu verbringen, aber am Ende blieb sie neun Monate in der Kommune, spielte, las, improvisierte, komponierte, suchte mit Kantele und Perkussion nach Klängen und schrieb Texte, während sie gleichzeitig das Beste aus ihrer Umgebung herausholte : Jeden Morgen ein Sprung in den See, gefolgt von einem Frühstück auf dem Steg. Fast jeden zweiten Tag ein Saunagang. Der Rückzug aus dem hektischen Tourleben entpuppte sich als „Inkubationszeit“ für „Menneet“. Das Album wurde von Maija und einem ihrer engsten Freunde, Helmi Camus, einem finnischen Komponisten und Sänger mitproduziert. Aufgenommen und abgemischt wurde das Album von ihrem Freund und langjährigen Live-Tontechniker Samuli Volanto.
In der Single „Käärme“ (Schlange) geht es um die Dinge, die uns daran hindern, frei zu sein. „In diesem Lied frage ich mich, ob Anforderungen, die mich einschränken, von außen oder aus meinem eigenen Kopf kommen. Ich habe viel darüber nachgedacht, wie es ist, nett zu sein und anderen Menschen zu gefallen. Es geht um den Moment, in dem man die Kritiker herausfordern will, aber noch zögert: Traue ich mich?“, erzählt die Musikerin. In „Käärme“ hat Kauhanen ihre eigenen Texte mit traditionellen finnischen Schlangenbeschwörungstexten kombiniert, die Ende des 19. Jahrhunderts gesammelt wurden.
Der eigenwillige Track „Jää“ (Eis) ist eine vom nordischen Winter inspirierte Klanglandschaft. Im Finnischen bedeutet das Wort „jää“ Eis, aber auch „bitte bleiben“, sowie „etwas, das zurückgelassen wird“. In diesem Stück spielt Maija eine Kantele, die sie zusammen mit ihrem Vater so verändert hat, dass die Basssaiten nach unten gebogen sind. Das bedeutet, dass sie die tiefsten Saiten und ihre Obertöne wie ein Streichinstrument mit einem Cellobogen spielen kann, zusätzlich zum Zupfen.
Das zarte „Turvapaikka“ (Ein sicherer Ort) kreist um das Thema, wo und wie wir uns sicher fühlen. „Für mich kann das Gefühl der Sicherheit in meinem Kopf sein, ein vertraut riechendes Duschgel, das ich überall auf der Welt mit mir herumtrage, Erinnerungsstücke und Bilder, die mir lieb und teuer sind, Musik, die mich tröstet, ein See, das Meeresufer, auf einem Felsen sitzen und das Meer beobachten und sich ruhig fühlen. Für viele Menschen ist der sicherste Ort nicht immer das Zuhause“, erzählt Maija zum Hintergrund des Songs.
Im Titelstück „Menneet“ geht es um den Moment, wenn uns Erinnerungen an die Vergangenheit überfallen. „Wenn die Erinnerungen uns nachts wachhalten, dann muss man sich ihnen irgendwann stellen, auch wenn man jahrelang vor ihnen weggelaufen ist“, zieht Maija Bilanz. In dem Track spielen emaillierte Töpfe und Pfannen eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Klanglandschaft.

Biografie Maija Kauhanen:
Die Sängerin, Komponistin und Instrumentalistin Maija Kauhanen gilt als einer der kommenden Stars der Folkszene ihres Landes, die live als charismatische Performerin überzeugt. 2017 trat Maija Kauhanen auf der WOMEX World Music Expo im Rahmen der Official Showcase Selection auf und ist seither durch Asien, Nordamerika und Europa getourt und war auf großen Festivals vertreten. Ihr erstes Soloalbum „Raivopyörä“ („Strudel der Wut“, Nordic Notes 2017) handelt von den Schicksalen verschiedener Frauen. Es erzählte von schwierigen Beziehungen, häuslicher Gewalt und von Kinderbräuten, aber auch von Freude, Trost, Hoffnung und junger Liebe. Das Album wurde mit mehreren renommierten Preisen ausgezeichnet, darunter dem „Critic´s Spurs“ des finnischen Kritikerverbandes für den „besten künstlerischen Durchbruch des Jahres“, dem Preis als „Newcomer des Jahres“ bei den Finnish Ethno Awards und dem renommierten „Emma Award“ für das beste Ethno-Album des Jahres. Neben ihrem Soloprojekt ist Maija aktives Mitglied der finnischen Elektro-Folk-Band Okra Playground und hat an Projekten mit Künstlern aus aller Welt mitgearbeitet.

Discografie

  • Raivopyörä

    Raivopyörä

    Erscheinungsjahr: 2017

    Katalognummer: NN085 / NN085LP

  • Menneet

    Menneet

    Erscheinungsjahr: 2022

    Katalognummer: NN159 / NN159LP

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