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Uusikuu

Uusikuu

© Tatjana Coralie Klytta

20 Jahre ist es im Jahr 2019 her, dass die finnische Sängerin Laura Ryhänen gemeinsam mit ihrem Akkordeonisten Norbert Bremes und weiteren Mitmusikern zum ersten Mal den „Finntango“ in Tübingen spielte. Was als einmaliger Auftritt gedacht war, entwickelt eine ungeahnte Dynamik! Im Jahr 2006 gründete Laura Ryhänen die Band Uusikuu (Neumond), die dem Finntango neue Impulse gab. Seit bereits 13 Jahren touren Uusikuu nun schon erfolgreich durch Europa und begeistern mit ihrer frischen Sicht auf die alte finnische Tanzmusik.

In diesem Herbst erscheint das vierte Uusikuu-Album „Flamingo“. Mit diesem neuen Longplayer verbeugt sich die Band respektvoll und bewundernd vor der internationalen Unterhaltungsmusik der 1940er bis 1960er Jahre. Jazz, Foxtrott, Folk, Tango, Humppa und Walzer prägten damals die Tanzabende. Finnische Musiker nahmen die Einflüsse und Impressionen aus den Stücken der ausländischen Kollegen auf und interpretierten sie neu. Sie reisten ins Ausland und trafen sich mit Musikern, Komponisten und Textern aus verschiedenen Ländern. „Internationale Einflüsse befinden sich im Mittelpunkt der Ideen, die hinter diesem Album stehen“, erläutert Laura Ryhänen. Dass einige der bis heute in Finnland beliebten Klassiker ursprünglich gar nicht aus der Feder finnischer Komponisten stammen, ist heute vielfach in Vergessenheit geraten.
Denn die für den finnischen Musikgeschmack „exotisch“ klingenden Originale wurden geschickt mittels nordischer Melancholie und Nostalgie neu interpretiert, die Rhythmen wurden teils geändert, die Texte umgeschrieben. Die „Import-Hits“ klangen auf diese Weise plötzlich so, dass sie den Geschmack des nordischen Publikums treffen konnten. Und das taten sie! Nach der schwierigen Kriegszeit in den 40er Jahren brachten die leichten, jazzigen und melodischen Songs neue Farbe ins Leben vieler Finnen. Sie öffneten die Tore nach Europa und gaben dem Menschen das Gefühl, dass jeder von ihnen ein charmanter Filmstar oder eine gefeierte Sängerin sein könnte. Es wurde getanzt und gefeiert!

Aber natürlich blieb auch die für Finnen so typische Melancholie ein wichtiges Element der damaligen Popmusik. Neben dem beliebten Sänger Olavi Virta oder der wunderbaren Laila Kinnunen waren vor allem die Übersetzer dieser ausländischen Hits die wahren Helden der finnischen Musikindustrie. Texter wie Sauvo Puhtila oder Reino Helismaa verwandelten die deutschen, französischen, italienischen und amerikanischen Hits zur eigenständigen finnischen Tanzmusik. Noch nie war die Musikwelt in Suomi so international! „Flamingo“, der Titelsong des neuen Uusikuu-Albums, wurde im Jahr 1940 von Duke Ellington aufgenommen. „Rififi“ ist der Titelsong aus Julius Dassins gleichnamigen französischen Film-Thriller aus dem Jahr 1955, und „Ei itketä lauantaina“ ist der deutsche Hit „Wer wird denn am Sonntag weinen“, den Michael Schanze im Jahr 1968 aufnahm. Uusikuu schleifen diese alten Diamanten liebevoll so lange, bis sie wieder wie neu glänzen. Die Band nennt ihren Stil „Semi-Romantic Vintage Flair“: die Songs werden behutsam einer kleinen Verjüngungskur unterzogen, ohne ihre Wurzeln zu kappen oder ihren zeittypischen Charme zu vertreiben.

Die Mischung aus dramatischen Tangos, verträumten Walzern, lustigen Humppas und jazzigen Foxtrotts nehmen die Zuhörer mit in eine Welt voller großer Gefühle, voller Spaß, Flirts und natürlich jeder Menge elegischer Emotionen. Zusätzlich zu den „Juwelen“ der vergangenen Zeit sind es auch vier neue Stücke, die dem Album seinen einzigartigen Charakter verleihen. Der Tango „Utopia“ erzählt von einer lang ersehnten, aber gefährlichen und unmöglichen Liebe, „Käpylä kutsuu“ –humppa beschreibt die gemischten Gefühle eines Weltenbummlers, der nach langen Jahren der „Wanderlust“ in der großen, weiten Welt doch den Weg zurück in seine Heimatstadt Helsinki sucht. Der Finntango Nuevo „Viikatenainen“ stellt uns die attraktive Sensenfrau in ihrem schönen Abendkleid vor, die sich teures Parfüm hinter die Ohren getupft hat und eine Flasche edlen Champagner in der Hand hält. Sie versüßt jedem die letzten Momente vor der Abreise aus dieser Welt in die nächste. „Lyydia“, der Walzer mit nordischen Weltmusikelementen, erzählt die Lebensgeschichte einer jungen Frau aus den 40er Jahren, die ihre große Liebe beim Tanzen auf einem Mittsommerfest trifft. Ihr Leben ändert sich danach für immer.

Nach zahlreichen Auftritten, unter anderem auf Schleswig-Holstein Musikfestival, dem Nürnberger Bardentreffen, dem Mittelrhein Musikfest, dem Ulmer Frühling, der Scandinavia Show London, im Helsinki Music Centre, dem Salzhaus Winterthur und der Freiburger Kulturbörse wird Uusikuu im Jahr 2020 unter anderem mit der Württembergischen Philharmonie zusammenarbeiten.

Discografie

  • Flamingo

    Flamingo

    Erscheinungsjahr: 2019

    Katalognummer: NN131

  • Suomi-Neito

    Suomi-Neito

    Erscheinungsjahr: 2016

    Katalognummer: NN079

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